Wiederstand gegen das Grundeinkommen

Die meisten Leser hier werden zustimmen, dass das Grundeinkommen eine gute Idee ist, um viele Probleme zu lösen, die in unseren Gesellschaften bestehen, aber warum wird diese Idee nicht in der breiten Öffentlichkeit unterstützt? Schlimmer noch! Es scheint, dass es starken Widerstand gibt.

Ist es nicht seltsam, dass eine Idee, die jedem Vorteile verspricht, keine breite Unterstützung finden? Zum Beispiel: In den USA leben mehr als 311 Millionen Menschen, aber das USBIG-Network hat nur zirka 300 Facebook-Fans und rund 250 offizielle Mitglieder – und nicht alle kommen aus den Staaten. In anderen Ländern ist die Situation ähnlich. Die Anzahl der aktiven BGE-Befürworter scheint bei ein paar Tausend zu liegen oder sogar darunter…

Natürlich könnten wir sagen, dass Quantität nicht Qualität heißt – es ist besser ein paar hundert hochqualifizierte Wissenschaftler zu haben, statt Millionen Lemminge, die an ihren persönlichen Vorteil glauben. Aber diese Sicht verkennt die Realität in unseren demokratischen System mit ihren Mehrheitsbeschlüssen.

In allen Zeiten musste jeder großartige Gedanke, jede gute Idee, die später die Welt bewegte, einen schweren und manchmal gefährlichen gegen bestehende Widerstände gehen. Aber das demokratische System macht es sogar noch schwieriger. Während es etwas Mut erfordert, einem Herrscher zu widersprechen, steigt die benötigte Courage ins unermessliche, um einer bestehenden Meinung gegenüberzutreten, da es das Risiko birgt, als verrückt zu gelten oder im schlimmsten Fall, verstoßen zu werden.

Wenn man die Vergangenheit betrachtet, hatte das Grundeinkommen viel mehr Unterstützer – zum Beispiel in der Zeit von Martin Luther King und der Bürgerrechtsbewegung in die 1960ern. Aber noch immer haben wir nirgendwo ein landesweites Grundeinkommen und vielleicht deshalb hielten nur orthodoxe Gläubige die Idee am Leben.

Heißt es, dass wir alle, die wir das Grundeinkommen unterstützen, mutige und aufgeschlossene Helden sind, weil wir guten Kampf kämpfen? Oder heißt es vielmehr, dass wir zu beschränkt sind, einen Weg zu finden, mehr Leute für die Idee zu begeistern?

Ich denke, dass es die Wahrheit nicht widerspiegelt. Natürlich wäre es großartig, wenn wir Katalysatoren wie Angelina Jolie, Brad Pitt, Lady Gaga oder George Clooney hätten, die öffentlich für ihr soziales Engagement bekannt sind und die für viele Jugendliche eine Autorität darstellen.

Aber weltweit suchen Leute nach Alternativen zu den bestehenden Systemen. Und die Anzahl der BGE-Befürworter wächst langsam, aber ständig. Mehr und mehr Unterstützer schlagen vor, wie man die Idee in die breite Öffentlichkeit bringt, raus aus dem sogenannten „Elfenbeinturm der Wissenschaft“.

Eines der Hauptprobleme ist, dass es keine besondere Zielgruppe gibt, was für Marketingstrategien essentiell ist. Ein weiteres Problem ist, dass die Armen zu sehr mit ihrem Überleben beschäftigt sind. Und andere Leute können zwischen unzähligen Freizeitaktivitäten wählen. Die meisten wollen nicht in ihrer wenigen Freizeit über soziale Lösungen nachdenken. Noch weniger über eine Idee, die sich utopisch anhört und in der nächsten Zukunft unrealistisch erscheint. Vielmehr haben sie genau aus diesem Grund eine Regierung gewählt, die sich mit solchen Themen beschäftigen sollte.

Nun könnten wir sagen, es ist die Schuld der Regierungen, kein Grundeinkommen einzuführen. Aber ehrlich gesagt, Regierungen wurden nicht gewählt, um Versuche durchzuführen. Und es sollte kein Zweifel bestehen, dass ein Grundeinkommen für alle vieles verändern würde; es könnte sogar sein, dass Leute damit beginnen, den Sinn ihres Lebens zu überdenken.

Weiter möchte ich fragen, welche Notwendigkeit für Regierungen besteht, ein Grundeinkommen zu unterstützen. Sie bekamen die Aufgabe, ihre entsprechende Gesellschaft zu erhalten und nicht das Leben von Millionen potentieller Wähler zu beeinflussen.

Solange es keine Einsicht in die Notwendigkeit des Zwecks eines Grundeinkommens gibt, fehlt der Grund, diese Idee zu unterstützen. Der stärkste Widerstand gegen ein Grundeinkommen ist die bestehende Situation, die als unabänderlich gesehen wird und solange wir ohnmächtig sind, ist sie zwar nicht gewollt, aber mit all ihrer Ungerechtigkeit akzeptiert.

Doch je mehr Leute Alternativen kennen lernen, oftmals durch ihre eigenen Lebensumstände verursacht, desto mehr hinterfragen den bestehenden Zustand.

Vielleicht sollten wir uns das Zitat von Tschechow zu Herzen nehmen:

Das Schlimme ist, dass wir die einfachsten Fragen mit Tricks zu lösen versuchen, darum machen wir sie auch so ungewöhnlich kompliziert. Man muss nach einfachen Lösungen suchen.

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