Gedanken zur Demokratie

Mir scheint, viele wünschen sich einen Konsens bei politischen Entscheidungen, die von allen (betroffenen) Personen (mit)getragen werden (können) und sehen daher das Mittel der “direkten Demokratie” (verstanden als Mitentscheiden-Dürfen via “Volksabstimmung”) als geeignetes Mittel. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass sich wirklich alle für eine Entscheidung aussprechen? Und was ist mit jenen, die sich der (so getroffenen) Entscheidung nicht “beugen” wollen? Haben wir es dann nicht mit einer “Diktatur einer Mehrheit” zu tun, wenn die (so getroffene) Entscheidung (auch gegen Widerstände) durchgesetzt wird?

Vielleicht spielt auch eine gewisse Angst mit, eine Entscheidung (alle betreffend) “allein” zu fällen, weil ja jemand mit der (dann getroffenen) Entscheidung unzufrieden sein könnte. Also, um es allen recht zu machen, sollen alle mitentscheiden (dürfen).
Es gibt auch “Konsens” ohne Entscheidung – dann nämlich, wenn es sich um (wissenschaftlich überprüfbare) Fakten handelt (es wird z.B. wohl kaum jemand widersprechen, dass Menschen Luft zum atmen bedürfen, um Leben zu können). Der Konsens gilt (in der Wissenschaft) solange, bis eine Theorie widerlegt wurde (Einsteins Theorie löste Newton ab).
Außerdem wird aus meiner Sicht vergessen, dass jeden Tag “neue Mitentscheider” hinzukommen. Wird heute etwas entschieden, müssen sich morgen Leute dem beugen, was sie nicht mitentscheiden durften (weil sie den Kriterien fürs Mitentscheiden nicht entsprachen – z.B. Altersbestimmung).

Sicher gibt es auch Entscheidungen, die alle betreffen und “Mehrheiten” aus meiner Sicht auch OK sind. Beispiel: Es soll entschieden werden, ob das Rathaus rot oder gelb gestrichen werden soll. Oder auch bei Bauprojekten (Stuttgart-21): Die Stadt/Dorfbevölkerung muss mit der Entscheidung leben. Es ist schon sehr spezifisch, wann welche Entscheidung wie getroffen wird. Die Kriterien für die Entscheidung sollten aber in allen Fällen offen liegen – und zum Beispiel 80 Prozent waren dafür, ist für mich kein Kriterium.

Leider ist das Problem: Demokratie wird heute verstanden als “Man-muss-Mehrheiten-hinter-sich-bringen”. Fragt man Leute, was sie unter “Demokratie” verstehen, so kommt das Wort „Mehrheit“ vor; selbst unter Politologen grassiert die Idee, dass es in der Demokratie darum geht, eine Mehrheit hinter eine Entscheidung zu bringen. Aber aus meiner Sicht reicht eine Person aus, um die Richtigkeit einer Mehrheit in Frage zu stellen.

Trotzdem findet das Mehrheitsprinzip immer mehr breiteren Raum. So haben zum Beispiel wissenschaftliche Arbeiten, je öfter sie zitiert werden, einen “höheren Wert” als solche, die kaum Beachtung finden. Bei Wikipedia zählt die Anzahl der Google-Suchergebnisse für Relevanz zu einem Thema. Und es lassen sich bestimmt weitere Beispiele finden, die das Mehrheitsprinzip zur “Wahrheitsbelegung” nutzen…

Damit kommen wir allerdings, der gauß’schen Glockenkurve gleich, dem Durchschnittlichen, Mittelmäßigen, aber nicht dem Besten am nächsten.

Angst und Scham

Auf Grund der menschlichen Instinktausstattung ist – neben der Angst zur unmittelbaren Überlebenssicherung – der Wunsch nach Verbundenheit die fundamentalste menschliche Emotion. Der Wunsch „dazu zu gehören“ sitzt so tief in der menschlichen Seele, dass all seine latenten Auswirkungen auf das tägliche Leben unübersehbar sind. Das gesamte Sozialverhalten eines Menschen steht im Dienste dieses Wunsches. Daraus resultiert, dass – neben der unmittelbaren Angst in lebensbedrohenden Situationen – die Angst vor Einsamkeit ebenfalls eine mächtige Triebfeder für menschliches Verhalten ist.

Ein Verstoß aus der Gruppe bedeutete früher für viele den sicheren Tod. So wird ein Mensch diesen Verstoß um jeden Preis verhindern wollen. Mit dem Schamgefühl greift der Selbsterhaltungstrieb eines Menschen in dessen eigene Persönlichkeit ein, und erkauft sich die Wiederaufnahme in die Gruppe – und so das eigene Überleben – mit einer Art von innerlich erzwungener Selbstaufgabe.

Gedanken zur Weltgeschichte

Die Weltgeschichte besteht nicht ausschließlich aus Blutvergießen, was uns vielleicht zu sehr ins Auge sticht, denn wir lernen von großen Schlachten, von Kriegen und Elend, das der Mensch zu verantworten hat. Und doch wäre die Menschheit und ihre Geschichte nicht ohne ein anderes Element denkbar: Das der Empathie. Deren Wirkung scheint uns aber wohl so selbstverständlich, dass wir sie ausklammern und nur das Negative sehen.

Immoralität tritt zu häufig in den Führungsetagen von Staaten und Unternehmen auf, welche dem “gemeinen Bürger” doch Vorbild sein sollten. Im Kleinen, das das große Ganze ausmacht, herrscht Empathie, aber das Große erscheint als nicht-empathisches Monster, das weder Recht, noch Gewissen kennt.