Arbeit sucht Einkommen

Wenn man sich umsieht, ist zu bemerken, dass es genug Arbeit gibt. Insbesondere im Umweltschutz, im sozialen Sektor, in der Jugendarbeit, bei der Betreuung alter Menschen, im freien Schulwesen usw. kann es gar nicht genug arbeitende Menschen geben. Was fehlt, ist Einkommen.

Dabei ist Geld nicht die einzige Form von Einkommen. Jede Arbeit sucht Einkommen – auch in Form gesellschaftlicher Anerkennung oder einfach, um einen Zustand abzuschaffen, der Unwohlsein vermittelt.

Jemand, der heute bezahlte Arbeit sucht, tut dies hauptsächlich deshalb, weil er in unserer Gesellschaft Einkommen braucht. Schließlich haben selbst Dinge für den Grundbedarf ihren Preis.

Auf der anderen Seite nützt es niemandem, wenn es massenweise Waren gibt, aber nur wenige über Geld verfügen, um sich diese Güter leisten zu können.

Wer heute sagt, er braucht gute Arbeit, sucht eigentlich eine Verdienstmöglichkeit. Niemand wird dafür bezahlt, wenn er zu Hause Kinder erzieht, seine kranken Eltern pflegt, sich für Umweltschutz einsetzt oder sich sozial engagiert. Mit dieser Arbeit entsteht kein Produkt, das gegen Geld weiterverkauft werden kann.

Dabei können sich die wenigsten heute noch mit ihrer Einkommensarbeit identifizieren. Das „Gute“ an der Arbeit ist Geld, das man dafür bekommt. Mancher verzichtet auch auf gesellschaftliche Anerkennung und ersetzt diese durch Statussymbole, wie große Autos, schöne Kleider oder Luxusartikel.

Sapere aude – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen

Da gab es einmal ein Interview in der Süddeutschen mit Jeremy Rifkin, in dem er meinte, dass die Regierungen “mehr Bildung” fördern würden – und er meinte dazu sinngemäß: “Ja was ist denn, wenn die Leute gebildeter wären? Jobs entstehen damit auch nicht.”

Dieses “Darüberhinausdenken” wäre auch hier angebracht. Ja was wäre denn, wenn mehr Leute “Den Mut hätten, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen”? Kucke ich mich hier bei FB so um, fehlt es nicht an diesen “Mutigen”, denen nicht klar ist, was läuft – was ihnen fehlt sind die Möglichkeiten, sich Gehör zu verschaffen.

Noch ist das Fernsehen ein wichtiger Meinungsmacher, weitaus mehr als Zeitungen, aber in den Talkshows sitzen immer nur “Irrlichter” ohne wirkliche Visionen, die einen Einheitsbrei verzapfen. Wo sind aber neue Gesichter, mit Ideen, Sachverstand und Hintergrundwissen? Man mag von Lucke (AfD) nicht viel halten, aber er schaffte es, Pfeffer in die sonst so fade Suppe zu bringen. Und es gibt mehr solcher Leute – aus allen Lagern, die durchaus mehr zu bieten hätten.

Es reicht nicht, immer wieder aufgefordert zu werden, “tut endlich was”, sondern es bedarf auch den Möglichkeiten, etwas zu tun. Aber hier fängt es an: Jene, die diese Möglichkeiten bieten können, versagen es denen, die etwas aufzuwarten hätten, wenn es den “Möglichkeitsinhabern” nicht schmeckt.

Und weil so viel im Argen liegt, dass wir es mit einer gesellschaftlichen Großbaustelle zu tun haben, die alle realen Großbaustellen in Deutschland zusammengenommen weit übertrumpft, will das niemand angehen, denn dadurch würde sich zu viel auf einmal ändern und den konservativ verwöhnten Bürger überlasten.

Dabei findet man Konservatismus nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei den Linken, die prinzipiell mit alten Rezepten genauso konservativ daherkommen, ohne den Mut aufzubringen, neues zu wagen (z.B. Grundeinkommen oder Lohnobergrenzen).

Es reicht nicht zu glauben, selbst “erwacht” zu sein und deshalb andere “wecken” zu müssen – das wird uns aber als “halber Weg zur Handlung” verkauft. Die “Erwachten” brauchen von anderen “Erwachten” Unterstützung und vor allem das notwendige Sprachrohr, ihre Vorschläge einbringen zu können.

Meinung zum Artikel „Wir Unverantwortlichen“ von Jakob Augstein

Etwas zur Genderdebatte

Obwohl ich die Genderdiskussion nachvollziehen kann, weil sie prinzipiell eine Diskussion über (biologische) Ungleichheiten und deshalb eine ungleiche Würdigung darstellt, mag ich sie nicht, weil sie ein Merkmal (das Geschlecht) so hervorhebt, als wären Frauen nicht nur “auch Menschen”, sondern sogar die “besseren” (wodurch es zu einer Wertedebatte wird und nicht mehr um die Würde geht). Dass es aber auch andere (nicht so sichtbare) Unterschiede zwischen den Menschen (und Menschinnen) gibt, die zu ähnlichen “Problemen” führen, wird ausgeblendet, da es biologisch eben die obersten Kategorien “Mann” und “Frau” gibt (warum wird das seltenere “dritte Geschlecht” eigentlich bei solchen Diskussionen ausgeklammert?).

Mich “nervt” diese Gender- und Gleichberechtigungsdiskussion aus folgender Eigenerfahrung etwas: In der Realschule war ich (männliches Geschlecht) in einer “geschlechtsneutralen” Klasse (Jungs-Mädel-Verteilung: 50:50) Außenseiter, weil ich Mathe und Naturwissenschaften mochte und mir das Lernen insgesamt zu leicht fiel. Streber konnte man mich aber nicht nennen, denn dazu war ich zu faul und “verhaltensauffällig” (kein Schleimer gegenüber den Lehrern). Mit 19 bewarb ich mich auf einen Job und beim Einstellungstest klärte sich, dass eine “Hochbegabung” vorlag und mir so die “Außenseiterrolle” klar wurde. Die Stelle bekam ich nicht, weil ich “zu viel hinterfragen würde, statt meine Arbeit zu machen”.

So gesehen kann ich Frauen verstehen, weil sie (sichtbar) “anders” sind; aber es gibt auch ein “unsichtbares Anderssein”, das zu ähnlichen “Ausgrenzungen” führt. Es kommt auch auf die jeweilige Gruppe an, ob man (oder frau) akzeptiert und anerkannt wird.

Soll es nun für all diese “Unterscheidungsmerkmale” (angefangen von der Körper-, der Schuhgröße über das Körpergewicht bis zum IQ oder sonstigem) eine Quote und “Gleichstellung” oder einen “Aufschrei” geben?

Menschen sind nur auf einer Ebene “gleich”, und das ist die eher abstrakte, biologische Überlebensgrundfunktion (Stoffwechsel und Atmung); schon auf der nächsten biologischen Ebene fangen die Unterschiede an (nicht alle Menschen vertragen alle Lebensmittel gleich) und die Unterschiede werden von Ebene zu Ebene gravierender (Frauen können Kinder bekommen, Männer nicht – ist das gerecht?).