Überzeugungswahl oder technische Wahl

Habe gerade das Video mit Jakob Augstein und Blume angeschaut. Da hieß es, dass, würde an AfD wählen, man eine Große Koalition wähle, was man ja eigentlich als AfD-Wähler nicht wolle.

Ungeachtet dessen, daß ähnliches schon über die Piraten gesagt wurde (z.B. hier), kommt mir da noch ein Spiegelartikel in den Sinn, wo sich die FDP “Leihstimmen” bei der Union holen möchte.

Beziehe ich das alles auf meine Wahl, so kommt mir der Gedanke, dass es eine Überzeugungswahl gibt, bei der ich etwas deshalb wähle, weil mir die Inhalte gefallen. Dagegen gibt es aber wohl auch eine “technische Wahl”, bei der ich etwas deshalb wähle, weil ich mir durch meine Wahl ein gewisses Ergebnis erhoffe, das (wenn es eintrifft) meiner Überzeugung entspricht.

Mische ich nun beide Wahlmöglichkeiten (aus Überzeugung, aus technischen Erwägungen), so weiß eine Partei nicht, weshalb sie gewählt wurde. Das fiel mir erstmals bei den Wahlen in der Ukraine zur Zeit der “Organenen Revolution” auf, bei der es viele “technische Wähler” gab, die Juschtschenko nur deshalb wählten, weil sie gegen Janukowitsch waren. Ähnliches passierte kürzlich in Moskau mit Nowalny. Und in den USA dürfte es mit Obama und Romney ähnlich gewesen sein.

Das fatale ist aber, dass die Gewählten meinen, sie wurden für ihre Inhalte gewählt, die sie dann (sich dazu legitimiert fühlend) konsequent umzusetzen versuchen.

Unser gesamtes Wahlsystem lässt nicht die Wahlmotivation erkennen und führt damit die Wahl prinzipiell ad absurdum. Ich wiederhole mich, wenn ich sage, daß eine Summe X (zum Beispiel als Mehrheit in Prozent angegeben) eben kein Argument für oder gegen etwas ist.