Eindrücke des “Flaggenmarsches” (08.03.2014)

Zu Beginn dachte ich bei dem Marsch, dass das irgendwie nicht wirklich etwas besonderes ist. In meiner Jugend war ich bei Kirchenprozessionen als Ministrant auch dabei… Doch als wir uns durch die Menge bewegten, wo uns „Дякуемо” (Danke) und „Молодци“ (schwer zu übersetzen, so etwas wie „super, Leute“) oder immer wieder „Слава Україні!“ mit der Antwort „Героям слава!“ zugerufen wurde, und als ich Babuschkas (Großmütter) und Deduschkas (Großväter) weinen sah, schossen mir auch Tränen in die Augen und es fiel mir sehr schwer, meine Emotionen zu beherrschen.

Ich trug selbst eine deutsche Flagge, aber irgendwie fühlte ich mich nicht wohl dabei, denn mir scheint, dass die Welt an der Ukraine einen Verrat begehen wird, um keinen Krieg führen zu müssen (Nein, ich will keinen Krieg). Zwar wurde während dem Marsch immer wieder gerufen „Die Krim gehört zur Ukraine“, aber es ist wohl abgemacht, dass sie Russland zugestanden wird. Das wäre Wortbruch mit dem Budapester Memorandum von 1994, weil man es sich ja wirtschaftlich nicht leisten will, es sich mit Russland als Handelspartner zu verderben.

Leider hat das ernsthafte Konsequenzen auf die Sicherheitsarchitektur der Welt. Wenn andere Staaten (z.B. im Baltikum) statt in die Sozialpolitik investieren, ihre Militärausgaben erhöhen, und das in allen Staaten, weil man sich auf Garantien nicht mehr verlassen kann, würde sich die Welt extrem aufrüsten und selbst wenn es mit der Krim „gut“ ausgeht, könnte es in 5-10 Jahren (wer weiß, wer nach Putin kommt) knallen.

Mit diesen Gedanken lief ich also mit einer deutschen Flagge in dem Zug mit und uns wurde zugejubelt, weil wir Hoffnung auf Unterstützung der Ukraine weckten. Es wäre absolut fatal, wenn diese Erwartungen enttäuscht würden – egal auf welcher Ebene, in Bezug auf die Krim, oder in Bezug auf die Wirtschaftssituation (es sind Milliarden an Hilfspaketen angekündigt). Die Ukrainer, und da bleibe ich meiner Meinung treu, protestierten und kämpften dann nicht nur gegen Janukowitsch, sondern um Werte in einem alternativen politischen System.