Eine Sache des Verständnisses…

In der Diskussion zum Thema Ukraine und Krim wird häufig das Wort „Verständnis“ verwendet. Was bedeutet das aber, wenn hier Fakten geschaffen wurden, die einem in vergleichbaren Fällen kein „Verständnis“ über die Lippen bringt?

Ja, es gibt Argumente, die einem die Annexion der Krim (und das ist es faktisch) plausibel erscheinen lassen. Oft werden hier eben vergleichbare Handlungen bemüht, dass doch auch die USA zum Beispiel im Fall Kosovo, Irak, Afghanistan, Nordafrika, Syrien und wer weiß noch wo „auch“ nicht besser waren. Oder es wird auf Fälle verwiesen, wo andere Verbrechen gegen die russische Einmischung in der Ukraine aufgewogen werden.

Doch sind diese Argumente wirklich die Basis für ein „Verständnis“?

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es auch Argumente, oder sagen wir besser Motive für die Verbrechen in der Zeit des 3. Reichs gab. Heißt das, wenn wir diese benennen, dass wir ihnen zustimmen?

Wenn jemand also die Motive „versteht“, die einer Handlung zugrunde liegen, ist damit nicht gesagt, dass man die Handlung akzeptieren und tolerieren muss. Ein Motiv kann zwar argumentativ als Rechtfertigung dienen, doch es obliegt dem Betrachter, sich ein Urteil zu bilden.

Und hier komme ich zu einem Punkt, der mir in der Diskussion um die Ukraine sehr wichtig ist: Hier nehmen sich so manche das Recht heraus, sich ein Urteil zugunsten einer Partei zu fällen, ohne das eigentliche Opfer bei der Tat in die Urteilsfindung einzubeziehen. Der Bestohlene ist bei der Bewertung eines Diebstahls genauso unwichtig, weil es ja um die Tat und den Täter geht; es wurde Recht verletzt (die Relation Eigentum zu Eigentümer und Besitzer) und nach mancher Rechtsauffassung gilt es dieses zu schützen, bzw. wiederherzustellen.